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Rosen im Krug 

 

Ingrid Henjes


März

Krähen hocken auf abgeernteten Feldern,
kahl und stumm stehen die Bäume.
Noch liegt Schnee in den Ackerfurchen.
Als die Sonne höher steigt,
setzt Tauwetter ein.

Der Frühlingswind
rüttelt die Tannen
und bricht Äste ab.
Schon brechen die ersten Knospen auf. 

 

Ingrid Henjes


Schneee im März

Ein Mensch, der Einkäufe gemacht,
geht müd nach Hause um halb acht.
Auf halber Strecke bleibt er stehn,
um in ein Schaufenster zu sehn.
Dort ist zu sehn trotz Eis und Schnee
die Frühjahrsmode - das tut weh.
Es ist zwar Mitte März, doch leider
stimmt ihn das Wetter gar nicht heiter.
Der Mensch bleibt stehn und sieht sich satt,
drückt sein Gesicht am Fenster platt,
starrt auf den Traum in Beige und Blau,
denkt an die Wünsche seiner Frau
und geht dann ärgerlich, verdrossen
nach Hause, äußerst unentschlossen.
Die Frühjahrsmode muß noch warten,
solange Schnee bedeckt den Garten.


Ingrid Henjes


Wie ein entwurzelter Baum

Wie ein geprügelter Hund,
getrieben und gehetzt
von einem Land ins andere,
kann er doch nirgends Ruhe finden,
denn immer wieder,
trotz Verfolgung und Todesgefahr,
packt ihn das Heimweh
nach seinem Heimatland
und er sehnt sich
nach seinen gewaltsam
herausgerissenen Wurzeln
der Sprache und Kultur.
Und lebt weiter
wie ein entwurzelter Baum,
der woanders nie wieder
Wurzeln schlagen
und nie mehr anwachsen kann.
 

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